Startseite » Pflanzenwissen » Bitterstoffe – warum manche Pflanzen bitter schmecken | MaiThai

Bitterstoffe in Pflanzen – Geschmack, Vorkommen und Einordnung einfach erklärt

Bitterstoffe sind unterschiedlich aufgebaute Stoffe, die einen bitteren Geschmack hervorrufen können. Der Begriff bezeichnet keine einheitliche chemische Stoffgruppe. Vielmehr werden verschiedene Verbindungen aufgrund ihrer geschmacklichen Wahrnehmung als Bitterstoffe zusammengefasst.

Viele pflanzliche Bitterstoffe gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen. Sie können in Blättern, Blüten, Früchten, Samen, Rinden, Wurzeln und weiteren Pflanzenteilen vorkommen. Wie stark etwas bitter schmeckt, hängt unter anderem von Pflanzenart, Pflanzenteil, Konzentration, Reifegrad und Verarbeitung ab.

Auf dieser Seite erfahren Sie, was Bitterstoffe sind, warum Pflanzen bitter schmecken können und wodurch sich bitter von sauer, scharf oder herb unterscheidet. Weitere Grundlagen finden Sie unter Sekundäre Pflanzenstoffe.

Kurze Antwort:
Bitterstoffe sind keine einheitliche chemische Stoffgruppe. Gemeint sind unterschiedliche Verbindungen, die einen bitteren Geschmack auslösen können. Viele pflanzliche Bitterstoffe gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen. Ihre wahrgenommene Bitterkeit kann je nach Pflanze, Pflanzenteil, Konzentration und Verarbeitung unterschiedlich stark sein.

Bitterstoffe im Überblick

Merkmal Einordnung
Was sind Bitterstoffe? Unterschiedlich aufgebaute Stoffe mit bitterem Geschmack
Chemische Einordnung Keine einheitliche chemische Stoffgruppe
Mögliche Stoffgruppen Unter anderem Terpenoide, Iridoide, Alkaloide, Saponine, Phenole und Glykoside
Vorkommen Unter anderem Blätter, Blüten, Früchte, Samen, Rinden, Wurzeln und Rhizome
Wahrnehmung Über Bittergeschmacksrezeptoren
Mögliche Aufgaben in Pflanzen Unter anderem Schutz, Abwehr und weitere Stoffwechselfunktionen
Stärke der Bitterkeit Abhängig von Art, Pflanzenteil, Konzentration, Reife und Verarbeitung

Was sind Bitterstoffe?

Bitterstoffe werden vor allem nach ihrer geschmacklichen Wirkung zusammengefasst. Gemeinsam ist ihnen, dass sie bei entsprechender Konzentration einen bitteren Geschmack hervorrufen können.

Anders als beispielsweise Alkaloide oder Saponine bilden Bitterstoffe keine chemisch einheitliche Gruppe. Zwei bitter schmeckende Stoffe können einen völlig unterschiedlichen chemischen Aufbau besitzen.

Der Begriff beschreibt deshalb zunächst, wie ein Stoff wahrgenommen wird, und nicht, zu welcher chemischen Stoffgruppe er gehört.

Sind Bitterstoffe sekundäre Pflanzenstoffe?

Viele bitter schmeckende Pflanzenstoffe werden den sekundären Pflanzenstoffen zugeordnet. Dazu können beispielsweise bestimmte Alkaloide, Terpenoide, Saponine oder phenolische Verbindungen gehören.

Die Begriffe sind jedoch nicht gleichbedeutend:

  • Sekundäre Pflanzenstoffe werden nach biologischen und chemischen Zusammenhängen eingeordnet.
  • Bitterstoffe werden hauptsächlich aufgrund ihrer geschmacklichen Wahrnehmung zusammengefasst.

Nicht jeder sekundäre Pflanzenstoff schmeckt bitter. Gleichzeitig können bitter schmeckende Stoffe sehr unterschiedlichen chemischen Gruppen angehören.

Welche Stoffgruppen können bitter schmecken?

Bitter schmeckende Verbindungen können unter anderem aus folgenden Stoffgruppen stammen:

  • Terpenoide
  • Iridoide und Secoiridoide
  • Alkaloide
  • Saponine
  • Phenole und Polyphenole
  • Glykoside

Nicht alle Vertreter dieser Gruppen schmecken bitter. Die Beispiele zeigen vor allem, wie unterschiedlich sogenannte Bitterstoffe chemisch aufgebaut sein können.

Wie nehmen Menschen Bitterkeit wahr?

Geschmackssinneszellen im Mund besitzen spezielle Bittergeschmacksrezeptoren. Bitter schmeckende Verbindungen können diese Rezeptoren aktivieren und dadurch ein entsprechendes Geschmackssignal auslösen.

Wie stark Bitterkeit empfunden wird, kann sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Auch Konzentration, Temperatur, Gewöhnung und andere gleichzeitig vorhandene Geschmacks- und Aromaeindrücke beeinflussen die Wahrnehmung.

Warum bilden Pflanzen bitter schmeckende Stoffe?

Pflanzen bilden diese Stoffe nicht mit dem Ziel, für Menschen bitter zu schmecken. Die Bitterkeit ist eine menschliche oder tierische Wahrnehmung bestimmter Verbindungen.

Einige bitter schmeckende Pflanzenstoffe können Teil natürlicher Schutz- und Abwehrmechanismen sein. Andere erfüllen weitere Aufgaben im pflanzlichen Stoffwechsel oder bei Reaktionen auf Umweltbedingungen.

Mehr dazu erfahren Sie unter Warum Pflanzen sekundäre Stoffe bilden.

Wo kommen Bitterstoffe in Pflanzen vor?

Bitter schmeckende Verbindungen können in vielen unterschiedlichen Pflanzenteilen vorkommen:

  • Blättern und oberirdischen Kräuterteilen
  • Blüten und Blütenknospen
  • Früchten und Fruchtschalen
  • Samen
  • Rinden
  • Wurzeln und Rhizomen
  • Pflanzensäften und weiteren pflanzlichen Rohstoffen

Innerhalb derselben Pflanze können verschiedene Teile unterschiedlich bitter schmecken. Eine Fruchtschale kann beispielsweise deutlich bitterer sein als das Fruchtfleisch.

Weitere Grundlagen finden Sie auf der Seite Pflanzenteile.

Wovon hängt die Bitterkeit einer Pflanze ab?

Die wahrgenommene Bitterkeit wird von mehreren Faktoren beeinflusst:

  • Pflanzenart und Sorte
  • verwendeter Pflanzenteil
  • Reifegrad
  • Standort und Wachstumsbedingungen
  • Erntezeitpunkt
  • Konzentration bitter schmeckender Verbindungen
  • Verarbeitung und Lagerung

Deshalb können zwei Proben derselben Pflanzenart unterschiedlich bitter schmecken. Auch frische, getrocknete, gemahlene oder extrahierte Rohstoffe können sich sensorisch deutlich unterscheiden.

Welche Pflanzen sind typische Beispiele?

Einige Pflanzen sind besonders deutlich mit einem bitteren Geschmack verbunden:

  • Wermut: bekannt für eine ausgeprägte Bitterkeit der oberirdischen Pflanzenteile
  • Löwenzahn: Blätter und Wurzeln können bitter schmecken
  • Artischocke: besonders die Blätter enthalten charakteristisch bitter schmeckende Verbindungen
  • Bockshornklee: die Samen können würzig und bitter schmecken

Wie stark die Bitterkeit ausgeprägt ist, hängt auch bei diesen Pflanzen vom jeweiligen Pflanzenteil und dessen Verarbeitung ab.

Bitter, sauer, scharf und herb – was ist der Unterschied?

Wahrnehmung Vereinfachte Erklärung Beispiele
Bitter Aktivierung von Bittergeschmacksrezeptoren Wermut, bestimmte Blätter und Fruchtschalen
Sauer Geschmackswahrnehmung durch Säuren Zitrone, Essig, manche unreifen Früchte
Scharf Reizung von Wärme- und Schmerzrezeptoren; kein klassischer Grundgeschmack Chili, Pfeffer, Ingwer
Herb oder adstringierend Trockenes und zusammenziehendes Mundgefühl Starker Tee und gerbstoffreiche Pflanzenteile
Aromatisch Zusammenspiel von Geschmack und Geruch Fenchel, Anis, Minze

Mehrere Eindrücke können gleichzeitig auftreten. Ein Pflanzenteil kann beispielsweise bitter und zugleich herb oder aromatisch wirken.

Kann man Bitterstoffe sehen oder riechen?

Nein. Farbe, Form oder Geruch erlauben normalerweise keine zuverlässige Aussage darüber, ob und wie stark ein Pflanzenteil bitter schmeckt.

Auch der Geschmack zeigt nicht, welche konkreten Verbindungen enthalten sind. Für eine genaue Bestimmung einzelner Stoffe sind analytische Untersuchungen erforderlich.

Was ist der Bitterwert?

Bei bestimmten pflanzlichen Rohstoffen kann die Bitterkeit mit einem sogenannten Bitterwert beschrieben werden.

Dabei wird bestimmt, bis zu welcher Verdünnung die Bitterkeit einer Probe noch wahrgenommen werden kann. Ein höherer Bitterwert steht entsprechend für eine auch bei stärkerer Verdünnung wahrnehmbare Bitterkeit.

Der Bitterwert beschreibt eine sensorische Eigenschaft. Er sagt nicht automatisch etwas über Qualität oder gesundheitliche Wirkung eines Produkts aus.

Wie verändert Verarbeitung die Bitterkeit?

Auch Verarbeitung und Zubereitung können beeinflussen, wie bitter ein pflanzlicher Rohstoff wahrgenommen wird.

  • Trocknung: Durch Wasserverlust können Geschmacksstoffe konzentrierter erscheinen.
  • Mahlen: Inhaltsstoffe können durch die grössere Oberfläche schneller freigesetzt werden.
  • Einweichen: Wasserlösliche Bestandteile können teilweise in das Wasser übergehen.
  • Erhitzen: Manche Verbindungen können sich verändern.
  • Fermentation: Mikroorganismen können Zusammensetzung und Geschmack beeinflussen.
  • Mischen: Andere Geschmacksrichtungen können Bitterkeit abschwächen oder überdecken.

Eine geringere wahrgenommene Bitterkeit bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sämtliche bitter schmeckenden Verbindungen entfernt wurden.

Bedeutet bitter automatisch gesund?

Nein. Ein bitterer Geschmack ist kein Nachweis für einen gesundheitlichen Nutzen.

Auch aus einer besonders starken Bitterkeit lassen sich keine sicheren Aussagen über Qualität, Verträglichkeit oder Wirkung ableiten. Gesundheitsbezogene Aussagen können nicht allein aus Geschmack oder dem Vorkommen einzelner Pflanzenstoffe abgeleitet werden.

Bedeutet bitter automatisch giftig?

Ebenfalls nein. Viele übliche Lebensmittel, Getränke und Pflanzen besitzen einen natürlichen bitteren Geschmack.

Bitterkeit kann bei bestimmten Pflanzen dennoch ein Warnsignal darstellen. Dabei gilt:

  • Nicht jeder bittere Stoff ist giftig.
  • Nicht jeder giftige Stoff schmeckt bitter.
  • Menschen nehmen Bitterkeit unterschiedlich stark wahr.
  • Andere Zutaten können Bitterkeit überdecken.

Bitterer Geschmack ist deshalb ein sensorischer Hinweis, aber keine allgemeine Sicherheitsprüfung.

Wichtiger Sicherheitshinweis:
Zucchini, Kürbisse, Gurken und andere Kürbisgewächse sollten nicht stark oder ungewöhnlich bitter schmecken. Eine ausgeprägte Bitterkeit kann auf Cucurbitacine hinweisen. Stark bitter schmeckende Exemplare sollten nicht weiter probiert oder gegessen werden. Erhitzen macht diese Stoffe nicht zuverlässig unschädlich.

Bitterstoffe in pflanzlichen Mischungen

In pflanzlichen Mischungen kann Bitterkeit einen Teil des gesamten Geschmacksprofils bilden. Einzelne Zutaten können bitter, andere süsslich, sauer, scharf oder aromatisch wirken.

Wie die fertige Mischung schmeckt, hängt unter anderem von Zutaten, Mengenverhältnis und Verarbeitung ab. Aus dem Gesamtgeschmack lässt sich nicht sicher ableiten, welche einzelnen bitter schmeckenden Verbindungen enthalten sind.

Weiterführende Seiten

Fazit: Bitterstoffe einfach eingeordnet

Bitterstoffe sind unterschiedlich aufgebaute Verbindungen, die einen bitteren Geschmack hervorrufen können. Der Begriff beschreibt vor allem eine sensorische Eigenschaft und keine einheitliche chemische Stoffgruppe.

Sie können in vielen Pflanzenteilen vorkommen und sehr unterschiedlichen Stoffgruppen angehören. Wie stark Bitterkeit wahrgenommen wird, hängt von Pflanze, Pflanzenteil, Konzentration und Verarbeitung ab. Bitter bedeutet dabei weder automatisch gesund noch automatisch giftig.

Häufige Fragen zu Bitterstoffen

Was sind Bitterstoffe?

Bitterstoffe sind unterschiedlich aufgebaute Verbindungen, die einen bitteren Geschmack hervorrufen können.

Sind Bitterstoffe eine chemische Stoffgruppe?

Nein. Der Begriff fasst unterschiedliche Stoffe nach ihrer geschmacklichen Wahrnehmung zusammen.

Gehören Bitterstoffe zu den sekundären Pflanzenstoffen?

Viele pflanzliche Bitterstoffe gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen. Beide Begriffe sind jedoch nicht gleichbedeutend.

Welche Stoffgruppen können bitter schmecken?

Unter anderem können bestimmte Terpenoide, Iridoide, Alkaloide, Saponine, Phenole und Glykoside bitter schmecken.

Wo kommen Bitterstoffe in Pflanzen vor?

Sie können beispielsweise in Blättern, Blüten, Früchten, Samen, Rinden, Wurzeln und Rhizomen vorkommen.

Was ist der Unterschied zwischen bitter und scharf?

Bitterkeit wird über Geschmacksrezeptoren wahrgenommen. Schärfe entsteht dagegen hauptsächlich durch die Reizung von Wärme- und Schmerzrezeptoren.

Bedeutet bitter automatisch gesund?

Nein. Der Geschmack allein erlaubt keine Aussage über gesundheitlichen Nutzen oder Wirkung.

Bedeutet bitter automatisch giftig?

Nein. Viele übliche Pflanzen und Lebensmittel schmecken bitter. Bei bestimmten Pflanzen kann ungewöhnlich starke Bitterkeit jedoch ein Warnsignal sein.

Was ist der Bitterwert?

Der Bitterwert beschreibt, bis zu welcher Verdünnung die Bitterkeit einer untersuchten Probe noch wahrgenommen werden kann.

Kann Verarbeitung die Bitterkeit verändern?

Ja. Unter anderem Trocknung, Mahlen, Einweichen, Erhitzen, Fermentation und Mischen können die wahrgenommene Bitterkeit beeinflussen.