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Sekundäre Pflanzenstoffe – Gruppen und Unterschiede einfach erklärt

Sekundäre Pflanzenstoffe in Pflanzen wie Kurkuma, Ingwer und Früchten
Sekundäre Pflanzenstoffe in verschiedenen Pflanzen und Pflanzenteilen

Sekundäre Pflanzenstoffe sind ein etablierter Sammelbegriff für eine grosse Vielfalt pflanzlicher Metaboliten, die traditionell vom zentralen oder primären Stoffwechsel abgegrenzt werden. Viele dieser Verbindungen stehen mit Abwehr, Signalgebung, Duft, Geschmack, Färbung oder anderen Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und ihrer Umwelt in Zusammenhang.

Der Begriff bezeichnet jedoch keine einzelne chemische Stoffklasse. Auch bekannte Bezeichnungen wie Polyphenole, Flavonoide, Terpene, Carotinoide, Bitterstoffe, Saponine und Alkaloide liegen nicht alle auf derselben systematischen Ebene.

Auf dieser Seite erfahren Sie, wie sich diese Begriffe unterscheiden und warum eine einfache Liste gleichrangiger „sekundärer Pflanzenstoffe“ schnell irreführend werden kann. Vertiefende Informationen finden Sie im Bereich Pflanzenwissen.

Kurze Antwort:
Sekundäre Pflanzenstoffe sind ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche pflanzliche Metaboliten. Polyphenole, Flavonoide, Terpene, Carotinoide, Bitterstoffe, Saponine und Alkaloide sollten nicht einfach als gleichrangige Gruppen betrachtet werden. Manche Begriffe bezeichnen chemische Gruppen oder Untergruppen, andere beschreiben sensorische oder funktionelle Eigenschaften.

Was sind sekundäre Pflanzenstoffe?

Traditionell wird im Pflanzenstoffwechsel zwischen primärem beziehungsweise zentralem Stoffwechsel und sekundärem Stoffwechsel unterschieden.

Diese Einteilung ist für die Orientierung hilfreich, bildet aber keine vollständig scharfe biologische Grenze. In der modernen Pflanzenforschung wird deshalb häufig auch von spezialisierten Metaboliten gesprochen.

Solche Verbindungen können je nach Pflanzenart und biologischem Zusammenhang unter anderem beteiligt sein an:

  • Abwehr gegen Pflanzenfresser oder Krankheitserreger
  • Signalgebung und Kommunikation
  • Anlockung von Bestäubern
  • Duft und Aroma
  • Geschmack und Bitterkeit
  • Färbung von Blüten und Früchten
  • Reaktionen auf Umweltbedingungen
  • Wechselwirkungen mit anderen Organismen

Welche Aufgabe eine Verbindung tatsächlich übernimmt, hängt vom konkreten Stoff, der Pflanzenart, dem Gewebe und dem biologischen Zusammenhang ab.

Wichtig:
„Sekundär“ bedeutet nicht „unwichtig“. Viele traditionell als sekundär bezeichnete Metaboliten übernehmen wichtige Aufgaben für Pflanzen. Der Begriff beschreibt eine klassische Einteilung des Stoffwechsels und ist keine Wertung.

Mehr über ihre biologischen Aufgaben erfahren Sie auf der Seite Warum Pflanzen sekundäre Stoffe bilden.

Wie werden sekundäre Pflanzenstoffe eingeteilt?

Eine einzige einfache und vollständig hierarchische Einteilung gibt es nicht. Pflanzenstoffe können je nach Fragestellung nach ihrer chemischen Struktur, ihrer Entstehung, ihren Eigenschaften oder ihrer biologischen Funktion geordnet werden.

Eine grobe chemische Orientierung unterscheidet unter anderem:

  • phenolische Verbindungen
  • Terpene, Terpenoide und andere Isoprenoide
  • stickstoffhaltige spezialisierte Metaboliten
  • weitere chemische und biosynthetische Gruppen

Die folgende Auswahl ist nicht vollständig. Sie konzentriert sich auf wichtige Begriffe, die im Pflanzenwissen von MaiThai.ch genauer erklärt werden.

Wichtige Gruppen und Begriffe im Überblick

Begriff Einfache Einordnung
Polyphenole Breites Themenfeld phenolischer Verbindungen mit verschiedenen Klassen und Untergruppen.
Flavonoide Wichtige Gruppe innerhalb des polyphenolischen Themenfeldes und keine unabhängige Parallelgruppe zu Polyphenolen.
Terpene und Terpenoide Grosses Stoffgebiet auf Grundlage von Isopren-Bausteinen. Viele flüchtige Verbindungen prägen den Duft und das Aroma von Pflanzen.
Carotinoide Isoprenoide beziehungsweise terpenoide Verbindungen mit Funktionen unter anderem bei Färbung, Photosynthese und Lichtschutz.
Bitterstoffe Sensorischer Sammelbegriff für bitter wahrgenommene Verbindungen und keine einheitliche chemische Stoffklasse.
Saponine Glykosidische Verbindungen; viele besitzen ein triterpenoides oder steroidales Grundgerüst mit gebundenen Zuckerresten.
Alkaloide Heterogene Gruppe stickstoffhaltiger Naturstoffe mit sehr unterschiedlichen Strukturen.

Die wichtigsten Stoffgruppen genauer eingeordnet

Polyphenole und Flavonoide

Polyphenole bilden ein breites Stoffgebiet. Flavonoide werden innerhalb verbreiteter Einteilungen diesem polyphenolischen Bereich zugeordnet.

Einfach gemerkt:
Flavonoide gehören zum polyphenolischen Themenfeld. Polyphenole umfassen jedoch nicht nur Flavonoide.

Terpene und Terpenoide

Terpene bilden zusammen mit Terpenoiden ein besonders grosses und vielfältiges Stoffgebiet. Die Verbindungen werden aus Isopren-Bausteinen aufgebaut und können sehr unterschiedliche Strukturen und Eigenschaften besitzen.

Viele kleinere und flüchtige Vertreter prägen den typischen Duft von Blättern, Blüten, Früchten, Samen, Rinden und weiteren Pflanzenteilen. Sie spielen deshalb eine wichtige Rolle bei der Einordnung aromatischer Kräuter und Gewürzpflanzen.

Terpene und Terpenoide können unter anderem beteiligt sein an:

  • Duft und Aroma
  • Anlockung von Bestäubern
  • Abwehr von Pflanzenfressern
  • Kommunikation zwischen Pflanzen und anderen Organismen
  • Färbung und Lichtschutz bei bestimmten grösseren Verbindungen

Chemisch wird teilweise genauer zwischen Terpenen als Kohlenwasserstoffen und Terpenoiden als abgewandelten, häufig sauerstoffhaltigen Verbindungen unterschieden. Im allgemeinen Pflanzenwissen werden beide Begriffe häufig gemeinsam behandelt.

Viele ätherische Öle enthalten Mischungen flüchtiger Terpene und Terpenoide. Ätherische Öle sind jedoch selbst keine einzelne chemische Stoffklasse, sondern komplexe Gemische verschiedener flüchtiger Bestandteile.

Einfach gemerkt:
Terpene und Terpenoide bilden ein grosses chemisches Stoffgebiet. Ätherische Öle sind dagegen natürliche Gemische, die häufig reich an flüchtigen Vertretern dieses Stoffgebietes sind.

Carotinoide als Teil des isoprenoiden Stoffgebietes

Carotinoide gehören chemisch zu den Isoprenoiden beziehungsweise Terpenoiden und sind keine Polyphenole.

Sie können gelbe, orange oder rote Farben in Pflanzenteilen prägen. Gleichzeitig sind Carotinoide in photosynthetischen Geweben an grundlegenden Prozessen wie Lichtaufnahme und Lichtschutz beteiligt.

Carotinoide zeigen deshalb besonders deutlich die Grenzen einer einfachen Trennung zwischen primärem und sekundärem Stoffwechsel.

Bitterstoffe

Bitterstoffe bilden keine einheitliche chemische Stoffklasse. Der Begriff beschreibt zunächst Verbindungen, die bitter wahrgenommen werden können.

Chemisch können Bitterstoffe sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Auch bestimmte Terpenoide, Alkaloide und weitere Verbindungen können einen bitteren Geschmack besitzen. „Bitter“ beschreibt damit eine sensorische Eigenschaft und keine gemeinsame chemische Struktur.

Saponine und Alkaloide

Saponine sind glykosidische Verbindungen. Viele besitzen ein triterpenoides oder steroidales Grundgerüst, an das Zuckerreste gebunden sind.

Alkaloide bilden eine heterogene Gruppe stickstoffhaltiger Naturstoffe. Ihre chemischen Strukturen und Eigenschaften können sich deutlich voneinander unterscheiden.

Warum unterscheiden sich Stoffprofile zwischen Pflanzen und Pflanzenteilen?

Nicht jede Pflanzenart und nicht jeder Pflanzenteil besitzt dasselbe Stoffprofil.

Unterschiede können unter anderem zusammenhängen mit:

  • Pflanzenart und genetischer Variation
  • verwendetem Pflanzenteil
  • Entwicklungs- und Reifestadium
  • Licht und Temperatur
  • Wasserverfügbarkeit und weiteren Umweltbedingungen
  • Lagerung und Verarbeitung

Blätter, Blüten, Früchte, Samen, Wurzeln oder Rhizome derselben Pflanzenart können deshalb unterschiedliche Stoffprofile besitzen.

Mehr über diese Pflanzenstrukturen erfahren Sie auf der Seite Pflanzenteile.

Was lässt sich aus einer Inhaltsstoffangabe ableiten?

Eine Aussage wie „diese Pflanze enthält Polyphenole“ oder „diese Pflanze enthält Terpene“ beschreibt zunächst nur das Vorkommen eines grösseren Stoffgebietes. Sie sagt noch nicht, welche konkreten Verbindungen in welcher Menge in einer bestimmten Probe vorhanden sind.

Für genaue Stoffprofile können analytische Verfahren eingesetzt werden. Damit lassen sich einzelne Verbindungen nachweisen, Mengen bestimmen und unterschiedliche Proben miteinander vergleichen.

Der Nachweis einer Verbindung ist nicht automatisch ein Nachweis einer bestimmten gesundheitlichen Wirkung.

Für eine genauere Bewertung sind unter anderem folgende Fragen wichtig:

  • Welche konkrete Verbindung ist gemeint?
  • In welcher Menge liegt sie vor?
  • Welcher Pflanzenteil wurde untersucht?
  • Wie wurde das Material verarbeitet?
  • Welche wissenschaftliche Evidenz ist vorhanden?
  • Welche gesundheitsbezogenen Aussagen sind rechtlich zulässig?

Eine Inhaltsstoffangabe ist deshalb nicht automatisch ein Gesundheitsversprechen. Weitere Informationen finden Sie unter Health Claims und Gesundheitsversprechen bei Pflanzen.

Welche Begriffe sollte man nicht gleichsetzen?

Sekundäre Pflanzenstoffe, ätherische Öle, Pflanzenfarbstoffe, Bitterstoffe und Antioxidantien beschreiben unterschiedliche Ebenen.

Einfach unterschieden:
  • Sekundäre Pflanzenstoffe: traditioneller Sammelbegriff aus der Pflanzenbiochemie
  • Terpene und Terpenoide: chemisch und biosynthetisch zusammenhängendes Stoffgebiet
  • Ätherische Öle: Gemische flüchtiger Bestandteile, häufig mit Terpenen und Terpenoiden
  • Pflanzenfarbstoffe: Verbindungen, die zur sichtbaren Färbung von Pflanzenteilen beitragen
  • Bitterstoffe: sensorischer Sammelbegriff für bitter wahrgenommene Verbindungen
  • Antioxidantien: funktionelle Beschreibung für Stoffe, die unter bestimmten Bedingungen Oxidationsprozesse hemmen oder verzögern können

Ein Stoff kann je nach Betrachtungsweise mehreren solchen Beschreibungen entsprechen. Die Begriffe sollten deshalb nicht als Synonyme verwendet werden.

Mehr dazu erfahren Sie auf den Seiten Terpene, Ätherische Öle, Pflanzenfarbstoffe und Antioxidantien in Pflanzen.

Hinweis zu Pilzen:

Pilze können ebenfalls vielfältige spezialisierte Metaboliten bilden. Da Pilze biologisch keine Pflanzen sind, sollten diese Verbindungen jedoch nicht als sekundäre Pflanzenstoffe bezeichnet werden. Weitere Profile finden Sie unter Pilze.

Weitere Wissensseiten zu Pflanzenstoffen

Fazit: Sekundäre Pflanzenstoffe richtig einordnen

Sekundäre Pflanzenstoffe sind keine einheitliche chemische Stoffklasse, sondern ein traditioneller Sammelbegriff für eine grosse Vielfalt pflanzlicher Metaboliten.

Für das Verständnis ist besonders wichtig, unterschiedliche Ordnungsebenen nicht miteinander zu vermischen. Flavonoide gehören zum polyphenolischen Themenfeld. Terpene und Terpenoide bilden ein grosses isoprenoides Stoffgebiet, zu dem auch Carotinoide gehören. Bitterstoffe beschreiben eine sensorische Eigenschaft, während ätherische Öle natürliche Gemische flüchtiger Bestandteile sind.

Zusätzlich können Pflanzenart, Pflanzenteil, Entwicklungsstadium, Umweltbedingungen und Verarbeitung das konkrete Stoffprofil beeinflussen. Allgemeine Stoffgruppenbegriffe ersetzen deshalb keine Untersuchung einer konkreten Probe.

Häufige Fragen zu sekundären Pflanzenstoffen

Was sind sekundäre Pflanzenstoffe?

Sekundäre Pflanzenstoffe sind ein etablierter Sammelbegriff für vielfältige pflanzliche Metaboliten, die traditionell vom zentralen oder primären Stoffwechsel abgegrenzt werden.

Was sind spezialisierte Metaboliten?

Spezialisierte Metaboliten ist ein heute häufig verwendeter Begriff für Verbindungen und Stoffwechselwege, die traditionell dem sekundären Stoffwechsel zugeordnet werden.

Bedeutet „sekundär“, dass diese Stoffe unwichtig sind?

Nein. Viele dieser Verbindungen erfüllen wichtige Aufgaben bei Abwehr, Signalgebung, Fortpflanzung und Wechselwirkungen mit der Umwelt.

Was sind Terpene?

Terpene gehören zu einem grossen Stoffgebiet auf Grundlage von Isopren-Bausteinen. Viele flüchtige Vertreter prägen den Duft und das Aroma von Pflanzen.

Was haben Terpene mit ätherischen Ölen zu tun?

Viele ätherische Öle enthalten Mischungen flüchtiger Terpene und Terpenoide. Ätherische Öle sind jedoch keine einzelne chemische Stoffklasse.

Sind Carotinoide Terpene?

Carotinoide gehören zum isoprenoiden beziehungsweise terpenoiden Stoffgebiet. Sie sind jedoch keine Polyphenole.

Sind Polyphenole und Flavonoide dasselbe?

Nein. Flavonoide werden dem polyphenolischen Themenfeld zugeordnet. Polyphenole umfassen jedoch weitere Gruppen und Verbindungen.

Sind Bitterstoffe eine chemische Stoffklasse?

Nein. Bitterstoffe sind ein sensorischer Sammelbegriff für Verbindungen, die bitter wahrgenommen werden können.

Enthalten alle Teile einer Pflanze dieselben Stoffe?

Nein. Blätter, Blüten, Früchte, Samen, Wurzeln und andere Gewebe können unterschiedliche Stoffprofile besitzen.

Beweist das Vorkommen eines Pflanzenstoffes eine gesundheitliche Wirkung?

Nein. Der chemische Nachweis einer Verbindung ist nicht automatisch ein Nachweis einer bestimmten gesundheitlichen Wirkung.